Kulturbahnhof Nettersheim
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aktuelle Ausstellung

Hans Maas

Tapen & Tackern

Ausstellung im Kulturbahnhof in Nettersheim

Sonntag, 22.06. bis Sonntag, 27.07.2014

Die Vernissage findet am Sonntag 22.6.2014
um 15.00 Uhr statt.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Öffnungszeiten: Sa und So von 11 bis 18 Uhr


Subversion und Kontemplation

In „Tapen & Tackern“ erkundet Hans Maas die Möglichkeiten „unordentlichen Denkens“

„Collage“ bedeutet im Französischen das Ankleben, Anheften oder auch Zusammensetzen von verschiedenen Materialien. In der Bildenden Kunst kommt die Collage zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Braque und Picasso gelten als die ersten Anwender dieser Kunst-Sprache. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Collage weiterentwickelt zur „Assemblage“, also zum räumlich-plastischen „Materialbild“ oder auch zum „Combine Painting“; hier wird das Materialbild mit der Malerei zusammengeführt. Die Grenzen werden bewusst übersprungen. Das Entreißen aus ursprünglichen Verwendungszusammenhängen wird als kreativer Prozess angesehen, der ein unbestimmtes Neues ermöglichen soll.
Hans Maas arbeitet mit der Technik der Collage seit Ende der 1990er Jahre, nicht durchgängig, aber immer wieder. Die Materialien, die er verarbeitet, modelliert er um, nimmt ihnen ihre Form, fügt Disparates zusammen. In einem Interview hat der Künstler aus Köln einmal gesagt, diese Arbeiten sollen dazu einladen, „unordentlich zu denken“.
Seine bevorzugten Arbeitsmaterialien sind Pappkarton, Papier, diverse Fundstücke, Klebeband, Heftklammern. Auch Farben setzt er ein. Es entstehen jene „Combine Paintings“, mit denen etwa Robert Rauschenberg in den 1950er Jahren bekannt geworden ist.
Bei einigen Arbeiten zeigt sich die Handschrift von Hans Maas, wie man sie von seinem malerischen Werk kennt. Trotzdem die Objekte in Schichten angeordnet und verklebt sind, mithin einen plastischen und unruhigen Eindruck vermitteln, strahlen sie Ruhe aus. Sie verführen zur Kontemplation. Weißes Papier versieht er mit einem Hauch Farbe. Nur eine Pinselberührung, kein –strich. Unter dem weißen Papier lugt ein schwarzer Farbfleck hervor und verleiht dem collagierten Geschehen räumliche Tiefe. In anderen Arbeiten tritt die Farbe kräftig und dominant auf, gleichwohl „ruht“ das Werk. Die Arbeiten charakterisiert eine unruhig-ruhige Spannung.
Seine über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren entstandenen Arbeiten hat Maas unter dem Ausstellungstitel „Tapen & Tackern“ zusammengefasst. Angesichts des Zusammengesetzten der Exponate ist dies ein Paradox. In Sport und Physiotherapie werden Tapes zur Stabilisierung eingesetzt. Ein Tacker dient dazu, Papier oder andere Materialien zu heften, zusammenzufügen. Nicht der ästhetische, sondern der funktionale Aspekt steht im Vordergrund. Tackern will halten, was auseinanderstrebt. Wenn auch die Arbeiten dazu einladen wollen, „unordentlich zu denken“, also zu zersetzen, subversiv zu sein, wird doch zugleich daran erinnert, dass es eines Halts bedarf, um nicht ins Bodenlose zu fallen.

Dr. Wolfgang Hellmich, Tübingen

 


Ausstellung im kuba

Ausstellung im kuba

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